
Seit dem Camino … seitdem gibt es
nur noch das Davor und das
Danach.
„Heute sehne ich mich nur noch nach meinem Himmel – Aus dem Tagebuch eines Pilgers“ hat lange warten müssen. Den Jakobsweg bin ich auf unterschiedlichen Routen viermal gegangen, bevor ich die hier zusammengefassten Gedanken, Aufzeichnungen und Fotos – aus der Tiefe meiner Schublade wieder ans Licht geholt – zu einem Ganzen zusammengefügt und geordnet habe. Die Idee, mehr aus der Camino-Erfahrung zu machen, hat mich lange begleitet. Auf irgendeine Weise wollte ich die Spuren und Abdrücke dessen, was der Camino in mir hinterlassen hat, weitergeben. Über den Jakobsweg wurde schon mehr als genug geschrieben. Auch wenn sich viele Berichte ähneln, ist doch jede Erfahrung anders. Vielleicht gerade deshalb ist es so schwer zu sagen, was der Camino eigentlich ist.(…)
Sicher aber ist er eine lebensverändernde Erfahrung der allumfassenden, tiefen Stille, die in unseren eiligen, beschäftigten und zutiefst verirrten Tagen oft nötiger ist, als wir zugeben möchten. Auf meinem Weg bin ich Pilgern, Mönchen, einfachen Menschen, Passanten und Verkäufern begegnet – Menschen, die die Stille gelebt haben. Oft sehr beschäftigt. Denn äußere Aktivität schließt die innere nicht aus – häufig ermöglicht sie sie erst recht. Der Eremit und Wanderer in mir, der auf unterschiedlichen Wegen und Unwegen dieser Welt unterwegs ist, wollte irgendwann auch zum Schreiber werden, um den Erfahrungen des Caminos Raum zu geben. (…)
Meine erste, sehr persönliche und erschütternde Erfahrung der Stille war der fast dreijährige Aufenthalt in Portugal. Dann folgten die Wanderungen auf dem spanischen Jakobsweg und Begegnungen, von denen keine zufällig war. Ein Klosteraufenthalt, getragen von einer sehr präsenten Sehnsucht. Die Einsamkeit, Anonymität, Fremdheit und gleichzeitige Nähe der Bewohner der Großstädte. Begegnungen und Gespräche, in denen der Camino-Geist weiterlebte.(…)
Die Entstehung dieses Büchleins war ein persönlicher Versuch, dem Jakobsweg ein Dankeschön zu sagen – für alles, was er in meinem Leben verändert hat. Für mich ist nämlich der Camino nicht beendet – er hat erst begonnen. Mitten in den bewegten Großstädten, in den U-Bahn Stationen und auf offenen Plätzen werde ich ihn weiterleben. (…)
Die Autorin





