Ja, das tue ich. Nach fünfzehn Jahren. Ja, doch.
Und diesmal geschieht es nicht einfach so wie damals – als es mich völlig unvorbereitet traf, in freudiger Überraschung, aber doch aus der Bahn warf. Diesmal ist es kein Zufall. Heute stehe ich voll und ganz dazu. Diesmal ist es eine Entscheidung. Diesmal nehme ich es mit auf meinen Weg. Ab jetzt gehen wir ihn gemeinsam weiter. Manchmal spricht es in mir, denkt in mir. Es fließt durch mich hindurch. Wie einen geheimen Komplizen lächle ich es an. Das bist du ja doch. Mein Komplize. Manchmal spricht es mit mir. Sachen… Unterschiedliches. Wichtiges, Unwichtiges. Was hast du gerade gesagt? Manchmal nehme ich deine Stimme gar nicht wahr. Die Welt… aber das weißt du doch selbst. Egal. Das ist schon egal. Sag, sprich mit mir. Sag nur – wer bist du? Du, der in mir spricht, denkt, lächelt, verlangt, träumt, nach der Unendlichkeit greift, mich in die Arme des (Un)möglichen treibt, mich zu den Quellen führt… Wer bist du? Du, der du mit mir gehst… Ich bin es nicht. Wir sind definitiv zwei. Ein stiller Zweiklang – wie der schöne Dual des Altgriechischen. Und doch – ich kenne dich gut. Seit Langem. Seit immer schon habe ich dich gekannt.
„Gut ist es dir gelungen“, sagen sie.
Gar nichts ist mir gelungen.
Nicht mir.
Es war da. Es war wieder da. Hat mich besucht. Wie damals, als ich meine besten Einfälle hatte, als ich… Schweigend begrüßten wir uns an der Türschwelle. Ich öffnete – wie man einem lange nicht gesehenen Freund öffnet. Wenn man vor lauter Freude nichts tun kann. Wenn jede Bewegung, jeder Blick – wenn alles zu viel und gleichzeitig zu wenig ist. Wir sprachen miteinander. Wir schwiegen miteinander. Deine Augen spiegelten sich in meinen Augen, dein Blick in meinem Blick. Das war nicht ich. Nicht mir ist es gelungen. Es war deine Hand, deine Augen, deine Finger, deine Stimme, deine Gedanken – die durch meinen Kopf, durch mich, durch meine Finger, durch meinen Körper flossen…
Wo bist du? In der Welt? Außerhalb von ihr? In mir? Wo verweilst du, wenn du nicht in der Nähe bist? Wenn ich dich nicht sehe, nicht empfinde, nicht höre… Ich gehe weiter. Vielleicht treffen wir uns wieder. Vielleicht nicht. Du kommst, wann du willst. Auch wenn ich auf vielen unterschiedlichen Wegen dieser Welt unterwegs bin – du weißt, wo du mich finden kannst. Hast es ja immer schon gewusst.
Und ich? An unzähligen Adressen unterschiedlicher Länder, an Ecken fremder Städte, an Kreuzungen, belebten Straßenmärkten, einsamen Autobahnraststätten, in bekannten und unbekannten Gesichtern, in Augen vorbeigehender Menschen, in Blicken, Gesten, Berührungen, kurzen und belanglosen Sätzen – doch, ich sehe dich. Ich kenne dich.