Silentium …

(…) Wenn der Mensch nicht mehr zu beten weiß, müssen es die Steine tun.

Mit ihrem stummen Gesang, dem stillen Summen,

mit den dem menschlichen Ohr verborgenen Lauten

wiederholen sie in meditativer Kontemplation

unermüdlich die ewig aktuellen Lobesworte –

als wollten sie die Welt noch einmal vor dem Untergang bewahren.

Der ewige Zyklus des Gebets, der Huldigung, der Lobpreisung muss weitergehen.

So bleibt es hier bis an das Ende der Zeiten,

solange die Steine für uns beten.

Lernen wir von ihnen die Stille –

bis wir erkennen, dass sie einen Namen trägt,

dass sie uns mit ihren tausend Gesichtern anschaut,

uns mit ihrer stummen, aber doch unüberhörbaren Stimme anspricht.

Und bis das überraschte Herz,

entzückt angesichts der vergessenen Wahrheit,

auf einmal zu zittern beginnt.

Bis die Sehnsucht nach dem längst Verlernten

endlich erwacht.

Bis man langsam wird wie einer dieser Steine – unbewegt.

Unbewegt, weil schon woanders zugehörend. (…)

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